Anregendes über Berlin

My Berlin“My Berlin”, oder auf Deutsch “Mein Berlin”,  war kürzlich Thema in der Rudolph Blume Gallery. Bei einer Veranstaltung des German Center Houston gab Ursula Münzel unterhaltsamen Einblick in die Geschichte und die Eigenheiten einer Stadt, die interessanterweise wie Houston in einen Sumpf gebaut ist und auch sonst Ähnlichkeiten aufweist: Berlin zählt eher zu den jüngeren Städten des Landes. “Prussia was not one of the main players”, so die Historikerin Münzel. Zumindest nicht am Anfang! Später dann, 1920, war die Stadt mit über 4 Mio die 3. größte der Welt, nach New York und London. Diese Zahl hat die Stadt übrigens bis heute noch nicht wieder erreicht.

Münzel zog geschickt eine zweite Berlin-Kennerin in ihren Vortrag mit ein. So wurde aus Monolog langsam Dialog und den unvermeidlichen Tourismustipps (eine Zuhörerin: What should you see on a 5-day-trip?”) folgten Anmerkungen zu umstrittenen Bauprojekten und zwiespältigen Entwicklungen in der Stadtkultur. Jana Falkenroth, die wie Münzel Berlin gut kennt, monierte die sterilen Medienbauten am Spreeufer, den privat finanzierten Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses (Der Spiegel: “schläfrige Biedermeierliche Ruhe im Land”) und den Abriss seinerzeit des Palastes der Republik. Die Entwicklung von Kreuzberg und Neukölln sah sie dagegen eher positiv.

Das Thema war spannend, und die Zeit reichte – leider – gerade mal zu ein paar Anregungen und Schlaglichtern, aber das passte durchaus zum Rahmen: Zu Wein und guter Unterhaltung gab es in einem Nebenraum den Dokumentarfilm “Berlin – die Sinfonie der Großstadt”, ein Zeitzeuge über Berlin 1927 von Walther Ruttmann. An den Wänden der Gallerieräume einige Fotos von Kitty Rabinow and Magda Boltz Wilson: Hier eine bröckelnde Hauswand, dort eine imposante Perspektive, dort ein Blick von oben auf Wohnarchitektur. ‘Wieso eigentlich sind die Gebäude alle so wenig hoch?’, fragte jemand. Falkenroth: “Weil eine Leiter der Feuerwehr maximal so hoch reicht!” Die Berliner Bauverordnung! Auch solche Kleinigkeiten sind interessant.

Hervorragend organisiert wurde das ganze von Gastgeber Ute und Volker Eisele.

Cornelia Küffner

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